Team Bittel
 

Schuhe binden – leicht gemacht!  

Autor:  JochenBrosig   E-Mail: Jochen.Brosig (at) yahoo.de
Letzte Änderung: 24.07.2005 21:02:48

„Was hast denn Du gemacht? Du bist wohl in eine Schlägerei gekommen?“ Nein, war ich nicht. Sichtbare Schürfwunden an der linken und rechten Hand und am Kinn. Von denen an der Schulter und am Knie ganz zu schweigen. Meine Standardantwort ist zurzeit immer: „Denn anderen hättest Du sehen müssen. Ich kann Dir sagen, der ist nicht so glimpflich weg gekommen!“
Aber zurück zum Anfang. Ein schöner Donnerstagmorgen im Juli. 5.00 Uhr. Frische 10 Grad, leichter Wind, ein paar Wölkchen am Himmel, die Sonne geht gerade auf. Was gibt es besseres, als in der Früh zu laufen? Ein bisschen Tempo hatte ich mir für heute vorgenommen. 10 Intervalle und 5000 m im 4:15min./km Schnitt. Gesagt, getan.

Meistens brauche ich so 10 – 15 Minuten bis es bei den Intervallen richtig rund läuft, aber ich will sanft aufs Tempo drücken. Wenn die Tempowechsel nicht wären, würde diese Trainingsrunde wieder mal ablaufen wie in dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“, wo jeden Tag derselbe Tag passiert. Immer die gleichen Leute, zur gleichen Zeit, am gleichen Ort! Auch heute: Weißer Mercedes von rechts, Zeitungsausträger von links, gleich kommt mir der altbekannte Fahrradfahrer entgegen.Da kommt er schon. Der 5-Uhr-zwanzig-Bus fährt vorbei und ein Rollladen hochgezogen: 5, 4, 3, 2, 1, rrrrrratsch !! Hinter der nächsten Ecke treffe ich die Frau mit ihrem Huskie. Alles wie immer! Oder doch nicht? Irgendetwas ist anders! Dieses Geräusch, was ist das?

Ich schau auf den Boden und bemerke es. Meine Schleife hatte sich gelöst und der Schuhbändel schwang bei jedem Schritt hin und her. Da ich mit Schnellspanner schnüre und die losen Enden vorne fest knote, ist es für mich kein Problem. So bin ich schon mal einen HM zu Ende gelaufen. Nach der Steigerung mache ich eine neue Schleife, dachte ich mir. Dann ist auch der leichte Anstieg vorbei. Mitten in diesen Gedanken hinein, haut es mich um. Ich ging zu Boden. Wie damals im November 65 Sonny Liston. Als er im Rückkampf von dem größten Boxer aller Zeiten am Kinn getroffen wurde. Muhamed Ali! (Mein Buchtipp dazu: When we were Kings)

Von einem Bruchteil einer Sekunde auf den anderen lag ich flach am Boden. Eingefädelt. Wie seinerzeit der Wasi! (Markus Wasmeier) So lieg ich am Boden und meine Gedanken machen sich selbständig. Wie war das noch mit unserer Kursleiterin im Schuhe binden? Das Geheimnis von Walburga war immer „der Wettkampfknoten“. So hieß übrigens auch das Seminar. Der Wettkampfknoten! Ich kam zum Langstreckenteam und wunderte mich im Training immer, warum Walburga nach 100 m der Schuh aufging. Bis ich dann eines Tages eingeweiht wurde. Für Training und Wettkampf gibt es zwei verschiedene Schnürungen. Einmal normal und dann eben, genau den Wettkampfknoten. Das war für mich ein besonderer Tag. Ungefähr wie der Übertritt vom gelben zum grünen Gürtel. Ich hatte bis dahin viel übers Laufen gelesen. Aber das stand natürlich nicht drin. Lange Zeit tat sich diesbezüglich nichts mehr. Walburga hatte alles im Griff!

Dann kam Helmut zu uns. Und er griff die gute, alte Tradition wieder auf. Einige Male lief ich nur deswegen vor ihm ins Ziel, weil er seine Schuhe binden musste. So kam es, wie es kommen musste. Helmut ließ sich von Walburga „den Wettkampfknoten“ erklären. Der Gordische Knoten muss im Vergleich dazu wie ein stinknormaler Hausfrauenknoten sein. Doch beim nächsten Wettkampf passierte es Helmut wieder. Beim ??-HM überraschte mich Helmut und stolz präsentierte er mir seine Erfindung. Der optimale Knoten!

Geschnürt wird ganz normal. Oben drauf einen Knoten mit Schleife. Zur Sicherheit noch einen zweiten Knoten darüber. Und jetzt aufgepasst! Achtung, jetzt kommt der Clou: Das ganze Gebinde mit Bindfaden gesichert. Seit dem hat er keine Probleme mehr. Wenn Walburga und Helmut sich zusammen tun würden, um ihr Wissen weiter zu geben. Vielleicht in einem Sachbuch oder in einem Seminar? Z.B. „Schuhe binden – leicht gemacht!“ Ich wäre der erste Kunde.

Jetzt liege ich hier und denke mir: Du Idiot, warum hast Du Dir nicht schon früher von diesen Experten Tipps geholt? Zu spät! Ich rapple mich auf und laufe weiter. Wieder eine neue Lauferfahrung gemacht. Gudrun erschrickt, als ich blutverschmiert an Händen und Kinn zuhause ankomme. Jonas steht mit offenem Mund in der Küchentür. Aber alles nicht so schlimm. Aber das sage ich natürlich nicht. Wie jeder Mann möchte auch ich bemitleidet werden. Gudrun fährt beim Verarzten das ganze Repertoire auf. Beim Desinfizieren seufze ich leicht auf. Und wie bei Frauen üblich kommt anstatt der Frage: „Tut es sehr weh?“ der Ausspruch: „Stell Dich nicht so an! Alles halb so schlimm.“ So ein wehleidiger Kerl, werdet Ihr jetzt denken. Doch wer von uns Männern ist das nicht?



Zum Foto: 2 Läufer, 2 verschiedene Schnürungen. Im Bild vorne Manfred mit der klassischen Schnürung und dahinter ich mit dem Schnellspanner. Welche Art von Schnürung? Einfach ausprobieren!
Hier ein paar Tipps zum Thema „Schuhe binden“. Damit es Euch nicht genauso ergeht:

Schuhe binden Link 1

Schuhe binden Link 2



Keep on running, but DO THE RIGHT KNOT!


Jochen Brosig

Röttenbach, den 23. Juli 2005
Mein Link
Weiterführender Link zum Thema: Schuhe binden - leicht gemacht!
 
[team/fuss.htm]