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Letzte Änderung: 10.09.2007

Bis km26 läuft es im Ricola-Kräuter-Lutsch-Tempo...

15. Jungfrau Marathon
(und Weltmeisterschaft)
am 08.09.2007
(Interlaken/Schweiz)

 (Bericht+Fotos Erwin Bittel)


...bei km39,5 wird es heftig - aber was für ein Ausblick!

Bericht und Bilder

 

08.09.2007 - Jahr 15 des Jungfrau Marathon

 

Grüezi mitenand!  Heute gibt es Neues aus dem Berner Oberland. Genau aus mitten in der Schweiz. Die Berge haben mich wiedr mal gerufen. Blättert mal die schönen Bildli durch. (Und lest dann abends in Ruhe das Textli dazu. Ist es wert!) - Los gehts...
 

Interlaken an einem sonnigen Herbsttag...

...um kurz vor 20.00 Uhr.

Startunterlagen gibt es im Kurhaus

48 Nationen nehmen teil


Die Ankunft

Ich komme in Interlaken um 19.00 Uhr an. Der Bahnhof ist zu Fuß 5min vom Start. Ein nobles Schweizer Städtchen mit teuren Hotel und Promenade am Flussufer. Als erstes fallen mir die großen Bilder auf, die oben an den Straßenlampen hängend: alle Sieger seit 15 Jahren. Es ist ein sonniger Abend, nicht kühl. Auch morgen wird es so werden. Prima, perfekte Laufbedingungen!

Erstmal zur Läufermesse. Im feudalen aber übervollen Kursaal hole ich meine Startnummer, die 5548 von allen. Unweit ist das große Zelt aufgebaut, in dem das Abendprogramm für uns Läufer laufend läuft. Alles nah beieinander. Es werden alle 48 teilnehmenden Nationen vorgestellt, sogar Venezuela, und danach die Top-Athleten dieser Weltmeisterschaft. Die Amerikaner werden mit Bruce Springstein empfangen. Und die Schweizer mit „Heidi, Deine Welt sind die Berge“. Danach nach plaudert man oder sieht sich die „andere WM“ auf Großbildschirm an, „Weltklasse Zürich“, Leichtathletik pur, Einstimmung auf morgen. Ich begegne ein paar Team-Bittel-Freunden, setze mich und komme erst mal an. Nach 7 Stunden Zug ab Nürnberg.
 

Vom Start bis zum Ende des flachen Teils der Strecke (km26)

Guten Morgen blauer Himmel. Ich setze mich kurz auf eine Bank, um die umliegenden Kulisse anzusehen. Schön die Schweizer Berge. - Ob es da Bernhardiner gibt? Gedanken. Dann mache mich fertig für den Start. Eintraben, Stretching, alles dabei?


Kurz vor dem Start: umziehen, einreiben, Sachen packen...

...in einer halben Stunde geht es los!

Während sich manche vor dem Start masieren lassen...

...warten andere auf Dringenderes

Das Startfeld der über 4.000 Läufer

Bernie, Klaus und Sabine... gedanklich schon "on the run"

08:57 Uhr. Im langen Feld der Starter reihe ich mich im vorderen Drittel ein. Jetzt jemanden finden? Unmöglich. Doch ich treffe Manfred + Heidi, Klaus und Bernie + Sabine, die sorgenvoll den weiten 42km entgegensieht. Sie wird es schaffen.

Eine Minute nach dem Knall rolle ich los, und ich bemerke bald, dieses Feld zieht heftig. Noch mehr als sonst. Es fällt mir schwer cool zu bleiben. Doch ich schaffe es, weil ich hier und da stehen bleibe, für ein Foto. Ich genieße die 4km-Runde im Ort, mit Publikum, am See vorbei. Der größte Berglauf der Welt. Dann verlassen wir die Häuser, folgen dem grünen engen Tal, umzingelt von hohen Bergen bei klarem Himmel. Kann denn Laufen Sünde sein?


Interlaken Kugklocken Combo

Vorbei am morgendlichen Thuner See - "Friede"

Km 12, in Gsteigwiler ziehen wir fröhlich im flachen Teil der Strecke an den Kilometerschildern vorbei. Alles läuft, für jeden gut. Ich höre Gespräche mit hohen Zielen und Plänen. Ich? Nein, nichts Bestimmtes vor, ich bin hier ja zum ersten Mal. Wie sagen wir Bayern: „Schaumermal“.

Ab und an ein kurzes Gespräch mit einem neben mir Laufenden. Ich nehme viel Natur auf. Die Farben hier sind einfach rein. So schön hier, ich vergesse immer wieder, dass ich eine Kamera trage. Ich fühle mich, als würde ich in ein Gemälde laufen. Das klare Blau über uns, die weiten grünen Wiesen bis in die Ferne des Tals vor uns, das schöne Grau der Berge links und rechts.


mal Musik aus Flussrauschen + tausend paar Laufschuhen...

...mal Musik von einer der 20 Kapellen

Jubelndes Publikum

Eine der alten Holzbrücken, die wir überqueren

Es geht zum ersten Mal bergauf, aber noch nicht steil

Wir werden gebührend empfangen...

...mit zuerst einem kleinen Hurra...

...dann aber einem richtigen Hurra!

Zurück in die Stille der Natur...

...wo oft nur Wasserrauschen zu hören ist

Fans in der Bahn, die oft neben uns fährt

Verwinkelte Durchgangswege

Km21, ein leichter Anstieg. Wir laufen ein zum tosenden Publikumsmagneten Lauterbrunnen. Ich sehe begeisterten Fans aus 20cm in die Augen, so nah stehen sie. Typisch Schweiz auch hier ist das „Hopp-Hopp zemi“, „witer so“ und die Reihen von lauten Kuhglocken. Was fehlt wäre noch der Bernhardiner mit dem Fass. Ob es den hier gibt?


Fans am Anfang von Lauterbrunnen...

...und Fangruppen in der Ortsmitte...

...die Kuhglocken-Batterie treibt uns genauso an...

...wie die letzten paar Glocken weit außerhalb des Orts

Noch im Schwung der Begeisterung (bloß nicht mitreißen lassen!) kommt schon meine Ernüchterung. – Achtung, jetzt wird es gleich steil. Ui, und wie steil! Der erste kleine Stau, enge gewundene Anstiege im Wald, Spitzkehren, oft ist es wie mehrere Etagen Treppen steigen. Ich höre nur noch unsere Schritte leise tippeln, kein Wort mehr. Bei km26,5 sehe ich zum ersten Mal ein „halbes“ Kilometerschild. Noch frage ich mich wieso?


Der letzte Blick aus dem flachen Tal...

...jetzt geht es los, steil und immer steiler

Ab km26...

..folgen die Angaben in halben Kilometern


Ich beobachte die unterschiedlichen Taktiken zwischen „große lange Schritte mit Arm-Unterstützung“ und „Wechsel von Traben und Ausruhen“ im Vergleich zu meinen konstanten mittelgroßen Schritten bei möglichst nicht steigendem Puls. Und dann sehe ich „viertel“-Schilder.


Wir haben schon ganz schön Höhe gewonnen...

...ab jetzt folgen die Angaben in viertel Kilometern (steiler)

So treibe ich, immer auf Kraftreserven achtend, auf km30 zu. Wengen -  wir haben fast 1.000 Höhenmeter geschafft. Das Publikum freut sich mit uns. Was für ein Lärm und Tumult nach der Stunde Beschaulichkeit. Aufgewacht!  – Und jetzt nur „noch einmal 1.000 Höhenmeter“. Bei mir läuft es gut. Immer wieder stoppe ich für ein schönes Foto. Oder einfach mal nur so kurz für einen Seufzer wegen der schönen Aussicht und Farben. Auf weiten Teilen ab km34 sehe ich dann nur noch auf den Boden und achte die Füße vor mir nicht zu treten. Ab und zu stolpert einer. Die Beine werden schwach.


In Wengen hängen "Lauftrophäen"...

...und das Publikum steht dicht

Momentaufnahme km35: ruhig ist es. Außer unseren Schritten, wenn wir mal wieder joggen, höre ich nichts. Waldfrieden in frischer Bergluft. Es ist eine andere Luft hier, ja. Und Freiheit. Irgendwie Freiheit. „Odr“?


Links über uns die Zahnradbahn...

...und der Blick in die Freiheit der Berge

Dann scheinen die Kilometer länger zu werden. Es geht eine Weile kaum vorwärts. Ich blicke gedankenverloren nach rechts in die mächtige, nahe Wand der Jungfrau. Enorm hoch ragt sie neben uns Ameisen auf. Die Naturmacht neben unserer kleinen Ameisenstrasse. Steinalt und gelassen ruht das Felsmassiv. Und unermüdlich vorwärts klettern die Läufer. Wohin eigentlich?


Die Schritte werden schwerer...

...an der Wand der Jungfrau

Uff, jetzt wird es erst richtig heftig: km39, die Luft auf 2.000m ist schon seit einer Weile dünn für mich. Hätte ich doch ein paar Tage früher zur Eingewöhung kommen sollen? Okay, einen Tick langsamer jetzt. Es wird eng. Ich habe nicht soviel vor wie die, die ab und an trotz eng, steil & rutschig hier am Trail gefährlich überholen. Manchmal bleibe ich stehen, lasse 2 vorbei. Um nach 10min wieder von ihnen gebremst zu werden. Ich bin im ersten Viertel, irgendjemand zählte mal laut „Platz 831“. Wenn es sich schon hier öfters staut, wie wird es weiter hinten sein?


Wieder mal ein Stück Laufen erleichtert...

...doch schon gehen wir wieder (zu steil)

Steil und immer steiler...

...manchmal staut es sich ein wenig...

...dann geht es wieder, die Luft ist dünn...

...die Beine jammern, Schild km39,5

Km40, das muss die Moräne sein, ich kann alle vor mir sehen, bis fast ins Ziel. Die Klänge des Dudelsackspielers (man erzählte mir von ihm) höre ich schon eine Weile. Das muntert auf. Und jetzt sehe ich ihn und laufe bald an ihm vorbei. In der doch schon mühseliger gewordenen Karawane der Jungfraujäger. Immer wieder zwängt sich jemand vorbei. Eine Kehre, wieder mal 300m traben (nicht alle können das mehr).


 

 

 

 

 

 

 

 

Und bei exakt km41 passiere ich den höchsten Punkt (2.150m). Ich weiß, jetzt geht es nur noch bergab ins Ziel. Ich lasse es rollen. Wow, wie das plötzlich wieder geht (wie gesagt nicht bei allen). --- Zieeeel! Ich drehe mich wie ein kleines Kind, stehe, schaue mich zum ersten Mal richtig um. Der Ziel-Blick auf schneebedeckte Eiger, Mönch und Jungfrau. In herrlichem Wetter mit Sonne. Ich verneige mich, Eure Majestäten! Das entschädigt. Für alles heute. Auch für die heißgelaufenen Füße. --- Über den Wolken...


Im Ziel, völlich fertich die meisten, aber glücklich...

...zusammen mit Eiger...

...Mönch...

...und Jungfrau (4.158m)

Über den Wolken

Doch zuerst trinken. Ich nehme sofort zwei Flaschen Saft von dem kleinen Mädchen, die Medaille hängt schon um meinen Hals. Dann 3min hinsetzen und verschnaufen. Als ich dann die hereinkommenden Finisher so ansehe schnürt sich mein Hals zu. Es ist so Herz zerreißend, zu sehen, wie sich wildfremde Läufer umarmen, stützen, in Tränen ausbrechen. Völlig verschwitzt von Frau oder Freund umarmt werden, zittern. Die Emotionen wollen raus. Was für ein Erlebnis! 

Und der Bernhardiner mit Rumfass am Hals? --- Den sehe ich doch noch! Friedlich und gelassen spaziert er im Ziel herum. Als wäre nichts geschehen.

Der „Marathon“ nach dem Marathon

Langsam wird mir doch etwas kühl. Ich bin, emotionsgeladen, schon eine halbe Stunde angekommen, trinke, sitze, stretche. Zuerst den Chip abgeben und dafür das gelbe Finisher-Shirt empfangen. Bald ist die Hälfte der Läufer um mich gelb gekleidet. Ich suche in der Halle meinen Kleiderbeutel. Das ist nicht leicht, manche suchen 15min. Und dann eine Massage? Ja, was für eine geniale Idee. Aber vorher duschen. Alles heute ist super organisiert: warme Duschen ohne Warten, sogar mit Haarföhn. Dann meine lange völlig traumhaft entspannende Massage. Das alles soll nie mehr aufhören. So schön ist das Gefühl.

Dann nehme ich mir ein paar Becher Bouillon und lege mich in die Sonne ins warme Gras.

Zeit aus. Die Bilder in meinem Kopf suchen einander, ein kleiner Film entsteht. Wird verworfen, neu gemischt. Ohne Ende. Hach ist das schön.

Die Rückfahrt

In der Zahnradbahn geht es gemütlich (und lange) zurück nach unten. Wir fahren an der Eiger Nordwand vorbei. Wanderer neben mir erklären: da geht im Berg ein Tunnel-Bahn hoch, für die gibt es ein „Fenster“ mitten in der Wand  (eh, in der Eiger Nordwand?) und da oben, siehste die Hütte am Eiger-Gipfel? Die Welt zieht ganz langsam an mir vorbei, wie in Sten Nadolnys „Entdeckung der Langsamkeit“ beschrieben.

Der Abend danach wieder in der Stadt

Ich sitze am hellgrünen Wasser und tippe gedankenverloren meinen Bericht in den Laptop. Es ist ein angenehm warmes Sitzen in der Sonne. Ich spüre eine tiefe Ruhe nach dem Marathon. Massiert, warm geduscht und meine Beine können schon wieder fast normal.

Ich esse eine Schweizer Brotzeit. Danach tauche ich wieder in das Zelt. Die grandiose Party danach. Pasta, Pizza und Bratwurst sind gefragt. Und Bier. Hauptsache deftig und nicht mehr süße Riegel, Iso-Drink oder Bananen. Und Wasser können wir Läufer nicht mehr sehen. „Odr“?


Dei unbeschreibliche Ruhe nach dem Lauf genieße ich am Fluss...

...mit Blick auf die letzte Sonne in den Bergen


Um 20.00 Uhr, exakt „nach Schweizer Uhr“ startet vor dem Zelt eine Kuriosität: die Jungfrau-Meile (1.609m).


Die "Jungfrau-Meile" endet hier im Zelt
Die "Jungfrau-Meile":

Das Besondere: die Frauen starten mit 30sec. Vorsprung
vor den Männern, und wer zuerst ins Ziel kommt gewinnt.

Einige 20 internationale und Schweizer Größen starten.
Und laufen ins „Ziel“ mitten in unserem Zelt ein.

Eine Schau!

Gewonnen hat übrigens ein Mann, ein kleiner dunkelhäutiger.
War doch klar, oder?

Im Zelt unterhalte ich mich dann weiter mit Team Bittel Mitgliedern Manfred + Heidi und mit ein paar Lauffreuden. Ich lerne neue Leute kennen, z.B. den Jungen aus Mexiko, der mir vom Lauftraining und den Laufbedingungen in seinem Land erzählt. Oder ich plaudere mit den Schweizern neben mir. Internationale Kulisse. Man lernt immer nette neue Leute kennen. Um 22 Uhr beginnt das Live-Konzert von Schweizer Rock-Urgestein Polo Hofer (die Legende lebt!). Ich tanze (ja, das geht schon wieder!) eine ganze Weile und bin einer der Letzten, die um 01.00 Uhr schlafen gehen.

Hey, das war mein WM-Debut. - Na, auch schon mal davon geträumt an einer WM mit zu laufen? Mir geht immer noch der Bernhardiner im Kopf herum...

Mit einem feurigen „Salü“,

Euer Erwin ( odr?)  (Erwin@team-bittel.de) vom „Team Bittel“,  einer etwas anderen Laufidee.


Diesen Bonbon habe ich in am Boden gefunden, als es sehr zäh wurde. Sicher vom Schweizer Berg-Gott für mich... "Merci"


Infos: www.jungfrau-marathon.ch

 
Weitere "Team-Bittel" Jungfrau-Berichte: klickt hier: 2006 und 2005
Weitere Berichte Jungfrau  2007: Thomas Bericht Bernies Bericht
   

 

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