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Letzte Änderung: 07.09.2011

Zugläufer-Spaß kurz vor dem Start...

12. Fränkische Schweiz Marathon
04.09.2011



 


 

 (Bericht+Fotos: Erwin Lionheart Bittel)


...und dann erst wieder im Ziel (dazwischen liegt viel Arbeit)

 

Die Hitze schlägt zu

 

Wie wir Zugläufer einen Marathon erleben, wenn es richtig warm wird.
Sollen wir unsere Zielzeit, die am Rücken steht einhalten, oder die letzten verbleibenden Läufer begleiten?


Wenn der lange geplante Marathon plötzlich zu einem richtig warmen Tag wird, was tun?
Wenn der Wetterbericht über 25°C meldet oder gar 30°C ankündigt, was tun?
Diese Frage stellt sich der erfahrene Läufer (viele aber auch nicht), reibt sich mit Sonnencreme gegen Sonnenbrand ein, setzt sein Läufer-Cäppie auf und hat den Trink-Gürtel oder -Rucksack dabei. Was aber tut der lauferfahrene Zug-Läufer, der ja eine Verantwortung für hinter ihm trägt?

Er weiß zwar in etwa, wie viele Minuten die Hitze kosten wird. Doch wie bringt er seine Läufer dazu unterwegs viel zu trinken? Und besonders konstant zu laufen?

Ich trage die Verantwortung für alle 13 Zugläufer nach mir, kenne sie gut, weiß was sie drauf haben (Regel: 30min schneller). Ich weiß wie sie mit Hitze umgehen können, es den Läufern vermitteln können. Aber wird es gelingen?

Wir Zugläufer haben unsere Ruhe, und besonders in Forchheim gehörig Spaß am Start: "Schön Dich wieder zu sehen, erzähl mal". Wir haben gut lachen, müssen heute nicht schnell sein. Langsam stellen wir uns in das wartende Läuferfeld vor dem Start-Tor. Kurzes Gerangel, jeder Läufer gesellt sich zum auserwählten Zugläufer. Noch 5min zum Start. Puh, und los...

Aufpassen, dass wir den ersten km nicht schon zu schnell sind. Am Anfang werden die meisten Fehler gemacht. Ich schaffe es gerade so: 5sec. zu schnell. OK, zweiter km etwas langsamer. Die Läufer hinter und neben mir "schieben". Ich muss hart bleiben und konzentriert. Blick auf die Uhr bei jedem km-Schild. Puh, nach ein paar gelaufenen km wird es ruhiger, der Zug rollt. Exakt im vorgegebenen Tempo. Bei km3 erzähle ich den 50 Leuten um mich, dass es vermutlich wieder keine 5 sein werden, die ich ins Ziel bringe (heute sind es 2). Jetzt hat auch der Letzte begriffen, dies hier ist kein Kindergeburtstag! Erste Getränkestelle: "Wir sind viele, nehmt den Becher, weiterlaufen, 100m später trinken, sonst lauft Ihr Euch über den Haufen". Es klappt ziemlich gut, weil ich es vorher 2x ankündige.

Kleine Anekdoten aus meinem Läuferleben, Beobachtungen, Kurioses. Das lenkt ab, bringt Ruhe, wenn ich rede. So erreichen wir km10, exakt in der Zeit. Puh, 10 Uhr, jetzt beginnt die Sonne zu brennen, frontal in unser Gesicht. Zugläufer weiß: Dies ist der kritische Moment! "Trinkt, auch wenn Ihr keinen Durst habt", so viel geht. Man schwitzt bis zu 5 Liter auf 42km, mehr als jedes 5-Liter-Auto braucht. Ich sehe, dass nicht jeder viel trinkt und ermahne bei jeder Verpflegungsstelle.

Mit jedem km werden es weniger Läufer hinter mir. Km12: Schon ist nur mehr ein 16km-Läufer bei uns. Oh la la, alle haben sich überschätzt.

Km21, die Matte ist überquert, die Hälfte ist geschafft. Wir sind wieder einige weniger. Mancher musste bereits ganz aufgeben, Kreislauf, Übelkeit, Krämpfe, der Magen oder ein Sonnenstich. Die Hitze schlägt zu. Zum Glück kommen bald 4 schattige km im enger werdenden Wiesent-Tal. Die ersten Läufer komemn uns entgegen: "Hey super feuern wir sie an". Auch meine Füße werden nach 25km heiß, der Asphalt macht sie weich. Laufen wird schwerer, ich amche mit den wenigen Verbliebenen wieder Fußlockerung während des Laufens. Das geht. Stehen bleiben, mindestens 2 Becher, schnell rein, weiter. Selbst ich würde bei km 30 gerne in den grünen Bach springen. Die wenigen Wolkenreste sind wieder verschwunden. Nur mehr 3 Kämpfer sind um mich und eine Frau, die schnelle Silke (heute als Trainingslauf) hat uns verlassen, lange gebremst, zieht davon. "Wir bleiben zusammen, da geht's leichter, oder?" - Ein leises Ja von allen, gut! Doch schon bei km36 müssen wieder zwei langsamer treten, es geht einfach nicht. Zugläufer gibt einen letzten Tipp: "Macht 20sec/km langsamer, geht auch mal 1min, aber mehr nicht. Und trinken trinken". Dann wird es klappen. Mit meinen letzten 2 Verbliebenen passiere ich km37 vorbei, beobachte wie sie müder werden. Ob es reicht? Ein Anstieg bremst uns etwas. Klar. Doch der "dicke Hammer" kommt noch, der lange Berg bei km40. Zugläufer: "Lasst noch ein klein wenig Luft, wir haben noch eine harte Prüfung vor uns", nimmt unbemerkt etwas Fahrt heraus. Er weiß, ohne dies ist er alleine. Nur wenige sec/km erleichtern plötzlich ungemein das Laufen, geben das Gefühl, ja, wir haben noch diese nötige Reserve.

Ganz ehrlich, habt Ihr irgendwelche Anzeichen von Krämpfen"? Dann machen wir langsamer. Nein, alles bestens: "Krämpfe: das ist das geringste Problem". Gut, um nicht mitten im Anstieg bei km41 stehen bleiben zu müssen, dann nicht mehr los zu kommen bergauf, sage ich: "Dies ist die vorletzte Trinkstelle, trinkt alles was geht, nehmt Euch die Sekunden Zeit dazu, denn die letzte werden wir auslassen". Bei schnellen Läufern kann man schon mal machen.

Und in genialer Pose laufen wir zu dritt an der VP am Berg vorbei, überholen einige Läufer. Das macht stolz und beruhigt. 

Und trotz aller Tempominderung gegen Ende erreichen wir das Ziel in nur 3min langsamer als geplant.

So wie ich haben sich alle meiner heutigen Zugläufer entschieden: Lieber langsamer und noch für jemanden von Wert, auf seinen letzten haaarten Kilometern.
Dafür leben wir, für diese dankbare Umarmung im Ziel, diesen glücklichen kurzen Blick in die Augen, den Schulterklaps des Finishers.


Unser Spass am Start
(alle Bilder im Großformat gratis hier zu haben)


Waltraut: "Einsteigen, der Bus fährt ab"

Auch ein Handbiker ist an Bord

Österreicher Gerhard kam extra wegen seiner Lauffreundin

Micha läuft heute kurz, 16km

Hemden-Chef Hannes verteilt...

...immer mit Spaß dabei, schon morgens um 8 Uhr

Julia lacht...

...wie Gottfried sich mit den Nadeln amüsiert

Anne kämpft mit den Ballons

Sven ist froh, dass er ein Shirt kriegt und keine Aufschrift am Rücken

Julia: Oh, ich muss noch mal schnell...

Manfred sieht noch voll müde aus, gell?

Anita liebt Überraschungstüten

Gottfried, aufwachen!

Alex liebt Ballons. Aber los jetzt, umziehen, nur noch 10min...

...das verschafft Alex endlich mal so eine Art von Stress

Sven begrüßt Petra, sie liefen schon zusammen einen Marathon

Silke läuft heute bei mir mit

Anita begleitet den blinden Didi...

...auch immer zu einem Späßchen aufgelegt

Mein Hut sitzt, von mir aus kann es losgehen

Los, schnappt Eure Ballons, auf zum Start!

Sprecher Michael ist bestens vorbereitet und gut drauf

Silke freut sich, dass sie heute mal nicht Vollgas geben muss

Alles klar, wilde 13? (einer fehlt doch immer beim Foto). Los geht's!

Es wird ernst unterwegs:


Das bunte Feld 1min vor dem Losgehts

Eh, Thomas anders rum! (Ein Geister-Läufer?)               (Foto: NürnbergerNachrichten)

Der Letzte am Start, Alex

Km4: die erste Musik heute

Km7: Zugläufer (4:30-Gruppe)

Km10: Zweite Trinkstelle, schon sehr warm jetzt!

Eine mitreisende Fangruppe, einfach mitreißend!

Km15 (Ortseingang Ebermannstadt): Trinken trinken!

Km16: Gleich kommt die Wechselzone...

...Teamläufer nach rechts, wir anderen geradeaus, durchs "Ziel"...

...mit den Raschelmäusen (die wir in 2 Stunden wieder sehen)

Km18: Unsere Gruppe ist noch beachtlich groß

Km20: Es gibt wieder Getränke

Auf diese Mitläuferinnen freuen wir uns seit einer Stunde...

...Samba-Samba mit viel Trommelfeuer werden wir in die zweite Hälfte geschickt. Bis später!

Halbmarathon-Messmatte...

und die Ruine Neideck kurz danach

Km26, Silke läuft immer noch brav mit uns. Die Gruppe ist kleiner geworden...

...aber jetzt gibt es 4km Schatten...

...im enger werdenden Ende des grünen Wiesent-Tals. Schön, gell?

Seit einer Weile kommen uns Läufer entgegen. Gleich kommt die Wende...

...bei km29 mit viel Publikum, einem Sprecher und Applaus für jeden!

Jetzt sehen wir wer hinter uns läuft...

Zugläufer 3:45 Julia+Jochen

Km30, ab jetzt wird es hart!

Entgegen kommt Zugläufer Sven 4:00 mit seiner kleinen Gruppe

Km32: Leider nur noch vier...


...die ich bei mir habe                                                  (Foto: Günther Kiefhaber)

Zugläufer-4:45 Thomas kurzes Plaudern mit mir...

...und dann mit Alex "Schlussläufer", der schon nicht mehr Letzter ist...

..Alex, mach Du weiter die 5:00, ich geh nach hinten...

...und kümmere mich um die Letzten, es ist zu heiß!

Km35: Noch mal viel trinken, ich habe nur noch Anke + Sascha dabei.

 

Km38: Wieder Samba-Samba in Streitberg, aber meine 2 können es nicht mehr genießen, es wird eng für sie. Sehr eng! Und jetzt auch noch bergauf!

Km41, der Asphalt brennt...

...oh ist das hart!

die letzten 1.000 für heute, zum Glück geht es bergab
 




Hier zu Bilder Teil 2

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